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Orderzusatz
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OrderzusĂ€tze oder Handelsoptionen sind zu den Börsenusancen gehörende Begriffe, die eine Wertpapierorder genauer bezeichnen und bestimmte Bedingungen stellen, unter denen diese Order ausgefĂŒhrt werden soll.
Es gibt generell die Unterscheidung zwischen unlimitierten und limitierten AuftrĂ€gen. Weitere typische ZusĂ€tze sind die GĂŒltigkeitsdauer und der AusfĂŒhrungszeitpunkt (z. B. wĂ€hrend des laufenden Handels oder nur zu den Auktionen). Daneben gibt es noch etliche ZusĂ€tze, die die Details der AusfĂŒhrung regeln können.
Contents
âą Stop-Zusatz
âą Trailing-Zusatz
âą Kombinationen
âą Kassa-Auktion
âą OrdergĂŒltigkeit
âą Siehe auch
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
GrĂŒnde fĂŒr die Verwendung von OrderzusĂ€tzen
OrderzusĂ€tze ermöglichen eine Feineinstellung der Wertpapierorder. Der wohl bekannteste Zusatz ist das Limit, das einen Höchstpreis fĂŒr den Kaufauftrag oder einen Tiefstpreis fĂŒr den Verkaufsauftrag angibt. So kann es sinnvoll sein, ein Limit anzugeben, auch wenn man eigentlich eine Bestens-AusfĂŒhrung haben möchte, also zum nĂ€chstmöglichen Kurs, um unerwartete KurssprĂŒnge auszuschlieĂen.
Ein weiterer Zusatz, der praktisch immer angegeben werden muss, ist die GĂŒltigkeitsdauer der Order. Das kann z. B. der aktuelle Handelstag (good for day), sofort (fill or kill) oder auch ein Datum in der Zukunft sein (good till date).
Auch können je nach Handelsplatz zusĂ€tzliche GebĂŒhren anfallen, wenn eine Order nicht vollstĂ€ndig, sondern in mehreren Teilen ausgefĂŒhrt wird. Solche TeilausfĂŒhrungen können durch den AON-Zusatz (all or nothing) verhindert werden.
Bei zwei voneinander abhĂ€ngigen AuftrĂ€gen, z. B. einen Stop-Loss und ein Limit-Verkauf, um bei Erreichen eines Kurses Gewinne zu realisieren, kann der OCO-Zusatz (one cancels the other) verwendet werden, um bei AusfĂŒhrung der einen Order die zugehörige Order auf der âanderen Seiteâ zu stornieren.
Eine weithin bekannte Technik, die Verluste begrenzen soll, ist das Setzen eines Stop-Loss-Auftrags zu einer bestehenden Long-Position. Diese Technik ist u. U. psychologisch sinnvoll fĂŒr unerfahrene Kleinanleger, die auch wenig Zeit mit dem Verfolgen des Börsengeschehens verbringen. Bei gröĂeren Volumina ist das Setzen solcher meist unterminierten Orders jedoch nicht mehr sinnvoll möglich. AuĂerdem wird von Kritikern bemĂ€ngelt, dass durch den zunehmenden Gebrauch diese Technik inzwischen wieder ineffektiv geworden ist, da Kurse bei Erreichen â augenscheinlich sinnvoller â Stop-Loss-Marken plötzlich einbrechen und sich anschlieĂend â nachdem der Verkaufsdruck durch diese automatisierten AuftrĂ€ge nachgelassen hat â schnell wieder auf Kurse darĂŒber erholen. Auch das Setzen eines Trailing-Stop-Loss, um sich Gewinne mit steigenden Kursen zu sichern, ist umstritten, da fĂŒr den Trailing-Abstand praktisch die VolatilitĂ€t des Basiswerts vorhergesagt werden muss.
OrderzusÀtze zum Kurs
Limitierte und unlimitierte AuftrÀge
Die beiden einfachsten OrderzusĂ€tze sind âbestensâ bzw. âunlimitiertâ und âLimitâ:
Market-Order (Unlimitiert, auch billigst oder bestens)
Die Order wird zum nĂ€chstmöglichen Kurs ausgefĂŒhrt. Dies ist das niedrigste Verkaufsangebot bei Kauf-Orders (long) bzw. das höchste Kaufangebot bei Verkauf-Orders (short).
Da der AusfĂŒhrungskurs im Vorfeld nicht bekannt ist, ist auch unbekannt, zu welchem Gesamtpreis die Order ausgefĂŒhrt wird. In den meisten regulierten Börsensegmenten dĂŒrfen aufeinanderfolgende Kurse nur innerhalb einer gewissen Abweichung (z. B. ±5 %) gestellt werden, sodass auch bei unlimitierten AuftrĂ€gen eine sehr groĂe Abweichung vom letzten Kurs ausgeschlossen wird.
Limit-Order
Die Order wird nur ausgefĂŒhrt, wenn der Kurs das zuvor angegebene Limit unter- bzw. ĂŒberschreitet: Bei Kauf-Orders muss der Kurs auf dem Limit oder darunter notieren, bei Verkauf-Orders muss der Kurs auf dem Limit oder darĂŒber notieren.
Im Gegensatz zu unlimitierten Orders ist durch die Angabe eines Limits der maximale bzw. minimale Betrag fĂŒr die gesamte Order bekannt und kann auch nicht ĂŒber- bzw. unterschritten werden.
Stop-Zusatz
Durch den Zusatz âStopâ kann eine Order eingestellt werden, die ruht, bis ein bestimmter Kurs, der Stop-Kurs, erreicht wurde. Genaugenommen wird die Order bei Erreichen des Stop-Kurses in eine andere Order umgewandelt. Bei KaufauftrĂ€gen erfolgt die Umwandlung, sobald der Stop-Kurs ĂŒberschritten wurde, umgekehrt erfolgt bei VerkaufsauftrĂ€gen die Umwandlung bei Unterschreiten des Stop-Kurses.
Trailing-Zusatz
Der Zusatz âTrailingâ (englisch fĂŒr âverfolgendâ) bewirkt, dass der AusfĂŒhrungskurs einer Order einen bestimmten Abstand zum aktuellen Kurs nie ĂŒberschreitet, d. h., er wird hinter dem Kurs nachgezogen. Der Abstand kann relativ (z. B. 5 %) oder auch absolut (z. B. 20 âŹ) angegeben werden. Der AusfĂŒhrungskurs der Order wird dann automatisch immer so nachgezogen, dass er niemals gröĂer wird als der angegebene Abstand.
Je nach Auftrag kann der AusfĂŒhrungskurs einer Trailing-Order nur steigen oder sinken. Ein typisches Beispiel ist die Trailing-Stop-Loss-Order, bei der der Stopp-Kurs immer in einem bestimmten Abstand zum Höchstkurs hinterhergezogen wird und bei Unterschreiten des Stopp-Kurses in eine Market-Sell-Order umgewandelt wird. Sie kann dazu verwendet werden, automatisch einen Teil des Kursgewinnes zu sichern und zu verkaufen, wenn der Kurs um den Trailing-Abstand von seinem Höchstwert abgegeben hat. Umgekehrt kann es jedoch auch Trailing-Limit-Buy-Orders geben, die ebenfalls immer in einem gewissen Abstand zum Höchstkurs hinterhergezogen werden.
Kombinationen
Je nach Handelsplatz können die o. g. ZusÀtze auch miteinander kombiniert werden. Eine bekannte Kombination ist der Stop-Loss-Auftrag. Er kann dazu verwendet werden, drohende Verluste zu begrenzen, wenn der Kurs unter einen bestimmten Wert fÀllt.
stop-loss Stop-Loss
Eine Verkauf-Order im Rahmen einer Wertsicherungsstrategie, die aktiviert wird, sobald der Kurs die angegebene Schwelle (Limit) genau erreicht oder unter diese Schwelle zurĂŒckfĂ€llt. Der AusfĂŒhrungskurs kann dann jedoch auch unter dem Stop-Kurs liegen.
Beispiel: Aktueller Kurs: 100 âŹ, Stop-Kurs: 90 âŹ. Der Kurs fĂ€llt auf 90 ⏠oder darunter, die Stop-Order wird in eine Verkauf-Order umgewandelt. Der nĂ€chste verfĂŒgbare Kurs liegt bei 85 âŹ, die Verkauf-Order wird dann bei 85 ⏠ausgefĂŒhrt. Es wĂ€re aber auch möglich, dass der Auftrag schon zu 90 ⏠ausgefĂŒhrt wird.
stop-buy-limit Stop-Buy-Limit
Ein Kaufauftrag, der beim Ăberschreiten des Stop-Kurses in einen Kaufauftrag umgewandelt wird.
Beispiel: Aktueller Kurs: 100 âŹ, Stop-Kurs: 105 âŹ, Limit: 110 ⏠Der Kurs steigt auf oder ĂŒber 105 âŹ, die Order wird in eine Limit-Kauforder umgewandelt und solange ausgefĂŒhrt, bis der Kurs auf 110 ⏠steigt.
Kassa-Auktion
Ist eine Order mit dem Orderzusatz Kassa-Auktion gekennzeichnet, wird im Kassa- bzw. Auktionshandel gehandelt. Die Voraussetzung ist, dass bei dementsprechend gehandelten Werten Kassakurse gebildet werden bzw. eine Kassa-Auktion vorgesehen ist. Die Kassakurse werden in Auktionen gebildet, die etwa viermal tÀglich stattfinden.
Weitere OrderzusÀtze
Weiterhin kennt man folgende OrderzusĂ€tze, die englischen KĂŒrzel sind auch bei deutschen Systemen gebrĂ€uchlich:
MOO (Market on open)
Dies ist ein unlimitierter Marketauftrag, der direkt am Anfang des Handelstages ausgefĂŒhrt werden soll. Diese Orderart hat PrioritĂ€t vor normalen Marketordern. Diese AuftrĂ€ge mĂŒssen vor Eröffnung des Marktes eingegeben werden.
MOC (Market on close)
Dies ist ein unlimitierter Marketauftrag, der am Ende des Handelstages ausgefĂŒhrt werden soll. Diese Orderart hat PrioritĂ€t vor normalen Marketordern. Diese Orders mĂŒssen vor SchlieĂung des Marktes eingegeben werden, viele Broker erlauben solche AuftrĂ€ge erst ab 1/2 Stunde vor Schluss.
AON (All or nothing / All or none)
Mit diesem Orderzusatz können TeilausfĂŒhrungen vermieden werden. Man bestimmt damit, dass entweder die komplette StĂŒckzahl gefĂŒllt wird oder gar nichts. Ist dies nicht möglich, verbleibt die Order im System fĂŒr eine spĂ€tere AusfĂŒhrung. Allerdings hat diese Orderart eine sehr niedrige PrioritĂ€t, alle anderen unlimitierten und limitierten AuftrĂ€ge werden vor diesem ausgefĂŒhrt.cite-ref-1[1] Diese AusfĂŒhrungsart wird von der deutschen Tradegate Exchangecite-ref-2[2] sowie von US-Börsen angeboten. In Verbindung mit einer Stop-Market-Order wird diese AusfĂŒhrungsart jedoch teilweise nicht akzeptiert.
IOC (Immediate or cancel)
Hiermit verlangt man, dass der Auftrag sofort ganz oder teilweise ausgefĂŒhrt wird. Weitere TeilausfĂŒhrungen können bei dieser Orderart nicht vorkommen, da nicht sofort ausfĂŒhrbare TeilauftrĂ€ge gelöscht werden.
FOK (Fill or kill)
Eine Kombination aus AON- und IOC-Auftrag: Wenn nicht die gesamte geforderte Menge zum Limitpreis sofort ausgefĂŒhrt (âgefĂŒlltâ) werden kann, so wird der Auftrag gelöscht. Weder IOC noch FOK verhindern jedoch die ĂŒber XETRA vorkommenden (unechten) TeilausfĂŒhrungen, d. h., eine Order wird zwar vollstĂ€ndig ausgefĂŒhrt, dies kann jedoch (vollautomatisch) in mehreren Teilen erfolgen.
OCO (One cancels the other)
Eine Kombination aus Stop-Loss und Verkaufslimit; sobald entweder das gesetzte Limit oder der Stop-Kurs erreicht wird, wird der Auftrag ausgefĂŒhrt, der jeweils andere Auftrag gelöscht.
TS (Trailing Stop)
Bei einer Trailing-Stop-Order handelt es sich um eine Order, bei der das Stop-Limit automatisch nachgezogen wird.
BOC (Book-or-Cancel)
Eine Order wird nur dann im Buch platziert, wenn sie nicht sofort ausgefĂŒhrt werden kann.cite-ref-3[3] Dieser Ordertyp dient insbesondere, um LiquiditĂ€t in den OrderbĂŒchern aufzubauen.
OrdergĂŒltigkeit
Die ZusĂ€tze zur OrdergĂŒltigkeit geben an, in welchem Zeitraum eine Order gelten soll und somit ausgefĂŒhrt werden darf.
DAY oder GFD (Good for day)
TagesgĂŒltig â Dieser Auftrag gilt nur fĂŒr den jeweiligen Handelstag. Bei Börsenschluss wird er automatisch gelöscht.
GTD (Good till date)
Bis zu einem bestimmten Tag â Dieser Auftrag gilt bis zu dem angegebenen Handelstag.
GTC (Good till cancelled)
Bis auf Widerruf â Im Gegensatz zu tagesgĂŒltigen Order (âDAYâ oder âGFDâ) gilt der Auftrag solange, bis er im gewĂ€hlten Zeitraum ausgefĂŒhrt worden ist oder er von der Börse oder durch den Marktteilnehmer gelöscht wird. Die maximale GĂŒltigkeitsdauer ist 90 Tage.
Ultimo
Der Auftrag gilt bis zum Ende des laufenden Monats.
Siehe auch
Einzelnachweise
cite-note-11. â Mark Dworatzek: Die Logik der AON Order. In: day-trading.de. Abgerufen am 9. September 2013.
cite-note-22. â Bedingungen fĂŒr GeschĂ€fte an der Tradegate Exchange. (PDF; 118 KB) Tradegate Exchange, 3. Januar 2018, abgerufen am 21. Mai 2020.
cite-note-33. â Deutsche Börse macht Xetra effizienter. Deutsche Börse, 28. Juni 2010, archiviert vom Original am 20. Mai 2016; abgerufen am 31. Juli 2011.